Einrichtungsstil

Japandi: ruhig wohnen mit Holz, Leinen und Naturtönen

Von BIASTO · Lesezeit etwa 8 Minuten

Holz, Leinen, Keramik, viel Licht und wenig Krimskrams: Japandi ist ein Wohnstil, der in den letzten Jahren aus Einrichtungsmagazinen in viele Wohnungen gewandert ist. Er verbindet japanische Zurückhaltung mit skandinavischer Gemütlichkeit. Hier steht, woher er kommt, woran man ihn erkennt und wie du ihn umsetzt, ohne gleich die ganze Wohnung neu zu kaufen.

Wohnzimmer im Japandi-Stil: Couchtisch aus Nussbaum mit Filzuntersetzern in Braun meliert und Kamelhaar, Sofa in Greige, Olivenbaum im Tontopf
Nussbaum, Greige und ein bisschen Grün. Die Untersetzer in Braun meliert und Kamelhaar fallen kaum auf, und genau das ist hier gewollt.

Was ist Japandi?

Das Wort ist zusammengesetzt aus Japan und Scandi, also Skandinavien. Gemeint ist ein warmer, naturverbundener Minimalismus. Aus Japan kommen Zurückhaltung, Sinn für Material und die Freude an leerer Fläche. Aus Skandinavien kommen Alltagstauglichkeit, Komfort und das Gemütliche.

Das Ergebnis sind Räume, die ruhig wirken, aber nicht kühl. Wenig Dinge, dafür bewusst ausgewählte. Japandi ist keine geschützte Norm, es gibt also keine Pflicht-Möbel und keine festen Farbcodes. Die folgende Übersicht beschreibt typische Muster, keine Regeln.

Atmosphäre Ruhig, warm, aufgeräumt, wohnlich
Farben Naturweiß, Creme, Sand, Greige, Taupe, Salbei, Oliv, Nussbaum, Anthrazit
Materialien Holz, Leinen, Baumwolle, Wolle, Filz, Keramik, Stein, Papier, Geflecht
Möbel Schlichte Linien, eher niedrig, funktional, langlebig
Oberflächen Matt und strukturiert, gern mit sichtbarer Maserung
Licht Viel Tageslicht und mehrere warme Lichtquellen
Deko Wenige Stücke, die man gern anschaut
Wichtigste Regel Nicht möglichst leer, sondern bewusst eingerichtet

Woher der Stil kommt

Der Name ist neu, die Verbindung dahinter ist alt. Zwei Gestaltungskulturen treffen sich hier, die einander schon lange beeinflussen.

Die japanische Seite: Schönheit durch Weglassen

In der japanischen Ästhetik gibt es zwei Begriffe, die oft im Zusammenhang mit Japandi fallen. Wabi steht für schlichte, zurückgenommene Schönheit und dafür, mit wenig zufrieden zu sein. Sabi beschreibt die Schönheit, die mit der Zeit entsteht, also Patina und Gebrauchsspuren. Eine handgemachte Schale mit leicht unregelmäßiger Form wird dadurch interessanter als eine perfekt gleichmäßige. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy erklärt beide Begriffe und ihre Geschichte ausführlich, sie sind deutlich vielschichtiger als „kaputt ist schön“.

Dazu kommt ein Sinn für Raum. Eine Vase mit einem Zweig auf einem langen, sonst leeren Sideboard wirkt stärker als dieselbe Vase zwischen zehn anderen Dingen. Die freie Fläche gehört zur Gestaltung.

Die skandinavische Seite: praktisch und gemütlich

Skandinavisches Design will schön und brauchbar zugleich sein. Helle Räume, Holz und angenehme Stoffe sorgen für Wohnlichkeit, gute Verarbeitung ist wichtiger als Dekoration. Dazu gehört das dänische Hygge. Die dänische Tourismusorganisation VisitDenmark beschreibt es als eine warme Atmosphäre schaffen und die guten Dinge im Leben mit guten Menschen genießen. Also eher eine Haltung als ein Einrichtungsgegenstand.

Wie beides zusammenfand

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kamen japanische Kunst und japanisches Kunsthandwerk verstärkt nach Europa. Das Designmuseum Danmark in Kopenhagen hat diesem Austausch ab 2015 die Ausstellung „Learning from Japan“ gewidmet. Nach Darstellung des Museums hat japanisches Kunsthandwerk dem dänischen Kunsthandwerk in den Jahrzehnten um 1900 einen deutlichen Schub gegeben und war eine wichtige Voraussetzung für die dänische Moderne. Dänische Keramiker übernahmen zum Beispiel japanische Glasurtechniken.

Wie gut das heute noch zusammenpasst, zeigt ein Projekt aus Tokio: Für die Wohnanlage Kinuta Terrace haben das Kopenhagener Büro Norm Architects und das Tokioter Studio Keiji Ashizawa Design 2019 Wohnungen gemeinsam umgestaltet, zusammen mit dem japanischen Möbelhersteller Karimoku. Daraus entstand die erste Kollektion von Karimoku Case Study. Japanische Symbole sucht man dort vergeblich. Die Wirkung kommt aus Licht, Proportionen, Holz und viel Ruhe.

Wichtig zur Einordnung: Die Wurzeln sind historisch belegt. Japandi als zusammenhängender Einrichtungsstil mit eigenem Namen ist dagegen eine moderne Bezeichnung.

Woran man Japandi erkennt

Ein guter Japandi-Raum wirkt nicht spektakulär, sondern selbstverständlich. Zuerst fällt die Ruhe auf, erst beim zweiten Blick die Details. Diese sieben Grundsätze tauchen fast immer auf:

  • Reduktion: ein großes Bild statt einer Wand voller kleiner.
  • Natürlichkeit: Eiche, Leinen und Keramik statt glatter Kunststoffflächen.
  • Funktion: ein Sideboard, in dem der Alltag verschwindet.
  • Handwerk: eine gedrehte Holzschale, eine unregelmäßig glasierte Vase.
  • Ausgewogenheit: klare Möbelformen neben weichen, runden Konturen.
  • Materialkontraste: helles Holz neben rauem Stein und dunkler Keramik.
  • Behaglichkeit: ein schlichtes Sofa, aber mit weichen Kissen, Wolldecke und warmem Licht.

Leer ist nicht gleich ruhig

Stell dir zwei Wohnzimmer mit gleich vielen Möbeln vor. Das erste hat weiße Wände, weiße Fliesen, ein graues Sofa, einen Glastisch und eine helle Deckenleuchte. Ordentlich, aber kühl. Das zweite hat warmweiße Wände, einen Eichentisch, einen sandfarbenen Teppich, eine cremefarbene Decke auf dem Sofa und eine Papierleuchte. Beide sind reduziert, aber nur das zweite fühlt sich nach Japandi an. Der Unterschied liegt im Zusammenspiel der Materialien, nicht in der Zahl der Gegenstände.

Esstisch aus heller Eiche im Japandi-Stil mit runden Filz-Platzsets und Untersetzern in Dunkelgrau meliert, Steingutgeschirr und Papierleuchte
Helle Eiche, Steingut, Leinen und runde Filz-Platzsets in Dunkelgrau meliert. Der dunkle Filz rahmt die Teller und schützt die Tischplatte.

Die Farben: ruhig, aber nicht farblos

Japandi wird oft auf Beige reduziert. Dabei gehören dunkles Holz, Schwarz, tiefes Grün und erdige Rottöne genauso dazu. Im Vergleich zu einem hellen Scandi-Wohnzimmer ist die Palette oft sogar kontrastreicher. Diese Töne geben eine gute Orientierung:

Naturweiß Sand Greige Taupe Eiche Salbei Nussbaum Anthrazit

Drei Kombinationen, die sich bewährt haben:

  • Hell: Creme, Sand, Eiche und Salbei. Leicht und freundlich, gut für kleine Räume.
  • Warm: Greige, Taupe, Nussbaum und ein Tonrot. Geerdet und wohnlich.
  • Kontrastreich: Naturweiß, Eiche, Dunkelgrau und Schwarz. Klar und grafisch.

Materialien: worauf es ankommt

Die Materialien entscheiden, ob ein Raum nur nach Japandi aussieht oder sich auch so anfühlt. Holz mit matter Oberfläche und sichtbarer Maserung, Leinen mit seiner lebendigen Struktur, Wolle für Wärme, Keramik mit kleinen Unregelmäßigkeiten, Stein, Papier und Geflecht. Wenige Holztöne wirken ruhiger als viele verschiedene.

Natürlich aussehend heißt allerdings nicht automatisch umweltfreundlich oder gesund. Auch ein Holzmöbel kann problematische Lacke oder Kleber enthalten. Das Umweltbundesamt hat einen Ratgeber dazu, worauf man beim gesunden und umweltfreundlichen Einrichten achten kann.

Und wo passt Filz hinein?

Ehrlich gesagt: Unser Filz ist Polyesterfilz und kein Naturmaterial. Er passt trotzdem gut in einen Japandi-Raum, und zwar wegen seiner Eigenschaften. Er ist matt, textil und weich in der Hand, er liegt flach und ruhig auf dem Tisch, und mit 3 mm Stärke drängt er sich nicht in den Vordergrund. Nebenbei schützt er Holz vor Gläserrändern und Kratzern. Gerade auf geölten oder hellen Holzflächen ist das praktisch.

Japandi Raum für Raum

Wohnzimmer

Ein Sofa mit klaren, weichen Formen in Creme oder Greige, ein niedriger Couchtisch aus Holz, ein großer strukturierter Teppich und ein geschlossenes Sideboard. Dazu eine matte Vase, eine größere Pflanze und warmes Licht. Auf dem Couchtisch dürfen ein, zwei Dinge stehen, nicht zehn.

Esszimmer

Ein Holztisch mit einfacher Silhouette, bequeme Stühle, eine ruhige Pendelleuchte. Statt vieler Dekoration eine Schale in der Mitte. Platzsets und Untersetzer in Dunkelgrau, Taupe, Braun oder Oliv setzen einen leisen Kontrast zum Holz. Japanische Schriftzeichen, Bambusbilder oder Buddhafiguren braucht es dafür nicht.

Fensterbank und Pflanzen

Ein Olivenbäumchen im Tontopf, eine Hängepflanze, eine kleine Vase mit einem einzelnen Halm. Mit Abstand zueinander, damit jedes Stück wirken kann. Filzuntersetzer unter den Töpfen schützen die Fensterbank vor Kratzern und Abdrücken. Ein Untersetzer, der etwas größer ist als der Topfboden, wirkt dabei ruhiger als einer, der genau passt.

Fensterbank aus Eiche im Japandi-Stil mit Olivenbaum auf Filzuntersetzer in Olive, Pflanze auf Untersetzer in Natur, Vase auf Untersetzer in Wollweiß und schlafender grauer Katze
Olive, Natur und Wollweiß unter Topf und Vase. Die Katze hat das Konzept „bewusst wenig tun“ vermutlich schon vor uns verstanden.

Arbeitsplatz

Ein aufgeräumter Holztisch, ein guter Stuhl, geschlossene Ablagen, eine warme Lampe und ein kleiner natürlicher Akzent. Ein Mauspad aus Filz passt hier besser als eines aus glänzendem Kunststoff. Ergonomie geht trotzdem vor: Sitz- und Tischhöhe richten sich nach dir, nicht nach dem Stil.

Schlafzimmer

Ein schlichtes Holzbett, naturfarbene Bettwäsche, weich fallende Vorhänge und möglichst wenig sichtbare Technik. Hier zählen vor allem angenehme Stoffe, gedimmtes Licht und genug Stauraum.

Schreibtisch aus Eiche im Japandi-Stil mit Filz-Mauspad in Dunkelgrau meliert und Untersetzern in Wollweiß und Kamelhaar unter Tasse und Vase
Ein Mauspad in Dunkelgrau meliert, dazu Untersetzer in Wollweiß und Kamelhaar. Mehr braucht der Schreibtisch nicht.

Häufige Fehler und was besser funktioniert

  • Alles in Beige: Der Raum wirkt flach. Besser helle und dunkle Töne und verschiedene Oberflächen mischen.
  • Keine persönlichen Dinge: Dann sieht es aus wie im Musterhaus. Ein paar Bücher, Erinnerungsstücke oder ein Bild gehören dazu.
  • Zu wenig Stauraum: Ruhe hält nur, wenn der Alltag hinter Türen verschwinden kann.
  • Kaltes Deckenlicht: Es nimmt Holz und Stoffen die Wärme. Mehrere warme, dimmbare Lichtquellen sind besser, im Wohnbereich oft um 2.700 bis 3.000 Kelvin.
  • Zu viele Holzarten: Zwei oder drei harmonierende Töne reichen.
  • Japan als Kulisse: Schriftzeichen und Bambus-Deko machen aus einem Raum eine Themenwelt. Der Stil entsteht aus Form, Material und Licht.

Japandi mit kleinem Budget

Japandi muss man nicht komplett kaufen. Am meisten verändern die großen Dinge: Wandfarbe, Licht, aufgeräumte Flächen und die Frage, welche vorhandenen Möbel bleiben dürfen. Erst danach kommen Accessoires. Eine Papierleuchte und drei beige Vasen machen noch keinen Japandi-Raum. Ein ruhiger Esstisch mit passenden Platzsets und einer einzigen schönen Schale dagegen schon eher.

Welche BIASTO-Filzfarben passen zu Japandi?

Unser Chamäleon trägt sonst gern Gelb. Für Japandi zieht es die ruhigen Töne an. Aus unseren 55 Filzfarben passen besonders diese:

Wollweiß Muschel Kamelhaar Natur Natur meliert Mittelgrau meliert Dunkelgrau meliert Schwarz Braun meliert Olive
Filzfarbe Passt gut zu
Wollweiß, Muschel Heller Eiche, cremefarbener Keramik, Leinen
Kamelhaar, Natur Greige, Sand, Nussbaum
Mittelgrau meliert Naturholz und weißem Geschirr
Dunkelgrau meliert, Schwarz Heller Eiche und schwarzen Akzenten, für den kontrastreichen Japandi
Braun meliert Creme, Beige und heller Keramik
Olive Pflanzen, Terrakotta und Salbeitönen

Ein Tipp aus der Praxis: Bleib bei einer oder zwei Filzfarben pro Raum. Platzsets in Dunkelgrau und Untersetzer in derselben Farbe wirken ruhiger als vier verschiedene Töne. Und wer doch eine Farbe sucht: Ein einzelner Akzent in Lago oder Ocker kann in einem ruhigen Raum sehr schön sein. Mehr dazu steht in unserer Farbberatung.

Kurz gesagt

Japandi ist eine neue Bezeichnung für eine alte Idee: weniger Dinge, bessere Materialien, viel Licht und ein Zuhause, in dem man gern sitzt. Das Gute daran ist, dass man sich dem Stil Schritt für Schritt nähern kann. Mit dem, was schon da ist, mit etwas mehr Ordnung und mit ein paar ruhigen Stücken, die man jeden Tag in der Hand hat.

Quellen und zum Weiterlesen

Japandi mit Filz

Ruhige Töne aus unserem Filz

Untersetzer, Platzsets und Mauspads in den Farben, die zu Holz, Leinen und Keramik passen. Jedes Bild zeigt den Artikel genau in diesem Farbton.

3 mm Polyesterfilz, in Deutschland gefertigt. Alle Artikel gibt es auch in den anderen ruhigen Tönen: Wollweiß, Muschel, Kamelhaar, Natur, Natur meliert, Mittelgrau meliert, Dunkelgrau meliert, Schwarz, Braun meliert und Olive.